IMPRESSION

DER GRASGARTEN

CONTEMPORARY
12mm F1.4 DC

von Yuri Nanasaki

Ich befinde mich tief in den Bergen am westlichen Ende der Präfektur Shimane. Hier lebt Yuki.

Wohin ich auch schaue, bin ich von Grün umgeben.
Um mich herum sind Berge und sanfte Hügel, und dazwischen fliessen Flüsse, verlaufen Pfade und Strassen, auf denen Tiere hin und her ziehen.
Ich hatte schon einmal gehört, dass Pflanzen miteinander kommunizieren. Hier bekomme ich langsam das Gefühl, dass wir alle nur winzige Wesen sind, die in der Welt der Berge leben.

Ich versuche immer, Menschen vor meiner Kamera sie selbst sein zu lassen – frei von Zweifeln und Selbstzweifeln. Ich glaube, das funktioniert nur dann wirklich, wenn das, was ich von meinen Motiven erwarte, auch auf mich selbst zutrifft. Wir selbst zu sein bedeutet, einander zu vertrauen.
Oft greife ich auf Techniken aus dem Theater zurück, um dieses Vertrauen aufzubauen. Aber hier war das nicht nötig.
Wir mussten uns lediglich dem gegenwärtigen Moment hingeben. Yuki hat das gut verstanden.
Sie war bereits so daran gewöhnt, dass sie es gar nicht erst verstehen musste.

Yuki führt gemeinsam mit ihrer Mutter das Restaurant „Kusa no Niwa“. Jeden Tag kochen und backen sie mit Gemüse aus eigenem Anbau, Kräutern und Pflanzen aus dem Wald sowie kleinen Fischen und Süsswasserkrebsen aus dem nahegelegenen Takatsu-Fluss. Ihre Mutter hat diesen Ort vor dreissig Jahren aufgebaut. Im Garten blühen wilde Bergblumen über den ganzen Boden verteilt und lächeln von unten zu mir herauf.
Alles hier ist von einem sanften Gefühl der Freiheit durchdrungen. Nichts wirkt erzwungen; alles fliesst ganz natürlich. So ist Yuki aufgewachsen.

Gemeinsam verbrachten wir Zeit unter den Bäumen, während das Licht durch die Blätter über uns fiel, spazierten durch Felder, die von der Abendsonne beleuchtet wurden, und entspannten uns in den stillen Schatten des alten Bauernhauses. Bei den vielen Tälern und Sümpfen um uns herum musste ich aufpassen, nicht den Halt zu verlieren.
An meiner Kamera fühlte sich das helle und leichte 12-mm-F1.4-Ultraweitwinkel-Objektiv wie eine Verlängerung meiner selbst an. Ich begann, mich gedankenlos zu bewegen und liess mich von meinen Sinnen leiten.

Ich machte mich auch auf den Weg zu einer Quelle und dann zu einem abgelegenen Wasserfall. An der Art, wie sich der Wind veränderte, spürte ich, wie der Wald immer dichter wurde. Ich kam an einer Bank vorbei, die wohl schon vor langer Zeit dort aufgestellt worden war. Doch niemand würde sich jetzt noch darauf setzen. Der Wald hatte begonnen, sie wieder für sich zu beanspruchen: ein Ende, aber auch der Beginn neuem Lebens.

Als ich mich dem Becken des Wasserfalls näherte, wiegten sich die Blätter und Pflanzen um ihn herum sanft, als wollten sie mich willkommen heissen. Es fühlte sich an wie eine Szene aus einem Anime, in der der Protagonist in einem fremden Land auf die Geister des Waldes trifft. Ich hatte weder Angst noch fühlte ich mich verunsichert. Vielleicht hatte meine Vorstellungskraft dazu beigetragen, diesen Moment zu mildern.
Ich konnte nicht sagen, wie viel Zeit ich dort verbracht hatte. Ich blieb, bis die Nacht einen anderen Wind mit sich brachte.

In den Bergen wird uns sowohl die Weite als auch die Komplexität der Natur bewusst.
Wir werden daran erinnert, wie wichtig es ist, beides nicht aus den Augen zu verlieren. Mit dem Sigma 12mm F1.4 DC | Contemporary konnte ich beides mit einem einzigen Objektiv einfangen.

HINTER DEN KULISSEN

ÜBER

YURI NANASAKI
Fotografin

Yuri Nanasaki wurde Fotografin, nachdem sie zuvor als Schauspielerin tätig war. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf Porträts, Reisen und dem Alltag; ihre Bilder erscheinen in Werbespots, Zeitschriften und Online-Medien. Ausserdem präsentiert sie ihre Arbeiten in Ausstellungen und Fotobüchern, darunter die jüngsten Veröffentlichungen „When the Dawn Breaks, All the Birds Begin to Call“ und „How Can We Reach for the Moon?“ (beide erschienen bei 1.3hours). Für den Film „If You Were There“ aus dem Jahr 2021 (Regie: Yataro Matsuura) war sie sowohl für die Hauptkameraarbeit als auch für die Standfotografie verantwortlich. Derzeit arbeitet sie an einer Serie, die die Kultur und Landschaft ihrer Heimatpräfektur Shimane einfängt.
Ausserdem betreibt Nanasaki gemeinsam mit ihrer Familie in Shimane die handwerklich hergestellte Teemarke „Sotto Chakka“, in deren Rahmen sie die Kraft von Tee und Wildkräutern erforscht.

Besonderer Dank gilt Kusa no Niwa
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Gefilmt von Shinnosuke Tokuda
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